Die Queere Walking Tour durch die Münchner Altstadt hielt 2024 einige Highlights bereit: Vom überdimensionalen Dackel vor dem Neuen Rathaus, über Tausende Origami-Tauben in der Heilig Geist Kirche bis hin zu ungewöhnlichen Perspektiven auf Bayerns ersten König. Auch Geschichten hinter den Fassaden fanden ihren Platz, wie etwa die Inszenierung der queeren Kultfigur Rudolph Moshammer im Residenztheater, oder die Couture-Ausstellung des schwulen Designer-Duos Viktor & Rolf in der Kunsthalle München. Hier eine zusammenfassende Revue des Jahres die zeigt, wie vielfältig Münchens LGBTQ+ Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.
1. Ein Dackel vor dem Neuen Rathaus

Spätestens seit den Olympischen Spielen 1972 ist der Dackel ein wichtiges Symbol und sympathisches Maskottchen für München. Mit seinen viereinhalb Metern Länge und drei Metern Höhe war dieser Dackel auf dem Marienplatz nicht zu übersehen. Diese Art der Sichtbarkeit und des Supports für das Thema Aids ist gerade hinsichtlich der Vergangenheit der Stadt auch heute noch wichtig. Immerhin kam auch der umstrittene Maßnahmenkatalog (1987) zur Bekämpfung der Aids-Krise aus München, der Zwangstests und Absonderung vorsah.
Was es sonst noch im Neuen Rathaus zu erleben gibt erfahrt ihr hier!
2. Tausende Origami-Tauben in der Heilig Geist Kirche

2024 kamen sie nach zehn Jahren Weltreise zurück an ihren Ursprungsort: Rund 2.000 weiße Origami-Papiertauen, die von Hunderten Menschen gefaltet wurden.
Zwischen 2011 und 2020 war Pfarrer Rainer Maria Schießler, der sich auch für die Ehe für Alle offen aussprach, für die Heilig Geist Kirche am Viktualienmarkt verantwortlich. Er hatte die Idee, die Kirche als Raum für die Kunst zu öffnen. 2014 stellte der Münchner Künstler Michael Pendry dann erstmals in dem Gotteshaus seine Kunstinstallation "Les Colombes - Die weißen Tauben" aus. Die Botschaft: Kunst für den Frieden. Die Taube repräsentiert hier also nicht nur den Heiligen Geist, sondern natürlich auch die Friedenstaube.
Mehr über die Geschichte der Heilig Geist Kirche erfahrt ihr hier!

Impressionen der Queeren Free Walking Tour 2024
3. Der verplante König

Dieser Tage versperren Bauplanen die Sicht auf eines der bedeutendsten Freidenkmäler des Klassizismus. Denn mitten auf dem nach ihm benannten Max-Joseph-Platz sitzt der erste König Bayerns, auf einem kühn gewählten, hohen Standort und scheint freundlich zu winken. Allerdings wurde der gesamte Platz 2024 ganz unköniglich zur Baustelle degradiert. So konnte man den Monarchen, der für seine weitreichenden Reformen in Erinnerung bleibt (darunter die Entkriminalisierung homosexueller Handlungen), bei der Queeren Walking Tour nur aus besonderen Perspektiven erblicken.
Grund ist die Umgestaltung des Max-Joseph-Platzes. Weg von grauen, holprigen Isarkieseln, hin zu Grünflächen, Sitzgelegenheiten und blühenden Großsträuchern in Metallgefäßen. So der Plan, angelehnt an historische Entwürfe aus dem Umfeld von Leo von Klenze, der als Hofarchitekt Anfang des 19. Jahrhunderts für die ursprüngliche Gestaltung des Platzes verantwortlich war.
Warum der König keine Krone trägt erfahrt ihr hier!
4. Rudolph Moshammer im Residenztheater
Der von Münchner*innen liebevoll "Mosi" genannte Modezar eröffnete 1968 ganz in der Nähe des Residenztheaters auf der Maximilianstraße die Boutique "Carnaval de Venise". Prominente wie Arnold Schwarzenegger und Thomas Gottschalk zählten zu seiner Kundschaft. Rudolph Moshammer war Paradiesvogel und Kultfigur, Münchner Original und beliebter Talkshowgast. Und Homosexuell, allerdings ungeoutet. So zog er Nachts alleine in seinem Rolls Royce durch die Straßen um den Hauptbahnhof um junge Männer zur Mitfahrt zu überreden. Bei einem dieser Ausflüge kam es am Ende der Nacht zum Streit - wohl um Geld - den Moshammer mit dem Leben bezahlen musste.
2024 bringt das Residenztheater mit "Mosi - the Bavarian Dream" die Geschichte der queeren Kultfigur auf die Theaterbühne. Im Stück kritisiert Autor und Regisseur Alexander Eisenach die verlogene Gesellschaft und rückt gleichzeitig die Schwulenbar, die Modebranche und die Münchner Schickeria ein Stück heran an die eigene Sofagarnitur.
Mehr über das Residenztheater lest ihr hier!

Impressionen der Queeren Free Walking Tour 2024
5. Eine Couture-Show in den Fünf Höfen

Die Kunsthalle München befindet sich in dem für die Münchner Innenstadt einmaligen Ensemble der Fünf Höfe, durch die wir auch bei der Queeren Free Walking Tour spazieren. Das Museum zählt zu einem der renommiertesten Ausstellungshäusern Deutschlands, wo auch immer wieder queere Künstler*innen ausgestellt werden - zum Beispiel Jean Paul Gaultier, Keith Haring und Erwin Olaf.
Mehr Kunst für LGBTQ+ in München gibt es hier!