Ampelpärchen in München: Ein Signal für Toleranz

Ampelpärchen in München: Ein Signal für Toleranz

Im Juli 2015 führte München erstmals Ampelpärchen mit schwulen und lesbischen Paaren ein, anläßlich des Christopher Street Days. Was zunächst als temporäre Aktion entlang der Politparade geplant war, entwickelte sich zu einem beliebten Symbol für Vielfalt und Toleranz. Nach einem Stadtratsbeschluss im Jahr 2019 sind die besonderen Fußgängerampeln schließlich dauerhaft installiert. Zu finden sind sie an ausgewählten Kreuzungen im Glockenbachviertel.


Inspiration aus Wien

Im Mai 2015 gab es in Wien mit dem "Life Ball", dem "Eurovision Song Contest" und der "Regenbogenparade" gleich drei queere Großevents. Für soviel LGBTQ+ Tourismus hat sich die österreichische Bundeshauptstadt etwas besonderes einfallen lassen: Drei verschiedene Arten von "Ampelpärchen" (hetero, lesbisch und schwul) wurden an rund 50 Standorten installiert. Der Erfolg gab dem Stadtmarketing recht: Es folgte ein weltweit beachtliches, positives Medienecho, die Pärchen wurden zum beliebten Fotomotiv und sogar ein signifikanter Rückgang an Rotgehern wurde an den entsprechenden Ampelstandorten evaluiert. Die Aktion war ursprünglich nur für sieben Wochen geplant, aber nun wollten die Wiener*innen ihre Ampelpärchen nicht mehr gehen lassen. Sie blieben hängen.

Deutschlandweit die ersten "Ampelpärchen" in München

In der Folge hat sich auch München davon inspirieren lassen. Zum Christopher Street Day im Juli 2015 wurden also auch in der Weltstadt mit Herz einige Fußgängerampeln mit neuen Symbolen ausgerüstet. Sie stellen homo- und heterosexuelle Paare dar, händchenhaltend und mit Herz. Installiert wurden sie entlang der Strecke der CSD-Politparade – zunächst nur temporär, während des Pride Month. An jeder Kreuzung wurde eine Fußgängerquerung mit einem Hetero-Pärchen umgerüstet, bei allen weiteren Querungen ist Rot von einem Frauen-Pärchen besetzt und Grün von Männer-Pärchen. 

Sie sind gekommen um zu bleiben

Nach einem Antrag der Stadtratmitglieder der Grünen / Rosa Liste wurde schließlich entschieden, dass auch in München die Ampelpärchen dauerhaft belassen werden. Immerhin endet die Begründung für ihre Installation nicht mit dem CSD. Auch das Kostenargument für den jährlichen Austausch wurde eingebracht, das regelmäßig von Gegnern der queeren Ampelpärchen vorgetragen wurde. Nach dem CSD im Juli 2019 wurden die besondern Ampeln also zur Dauereinrichtung. Zu finden sind sie an folgenden Straßenecken:

  • Blumenstraße, Ecke Pestalozzistraße
  • Müllerstraße, Ecke Pestalozzistraße
  • Fraunhoferstraße, Ecke Müllerstraße
  • Corneliusstraße, Ecke Müllerstraße
  • Frauenstraße, Ecke Reichenbachstraße
  • Reichenbachplatz

München ist tolerant

Zwischendrin gab es auch noch mal ein Aufbegehren: Ein Münchner klagte gegen die dauerhafte Umrüstung der Ampeln. Unter anderem würde durch die Piktogramme seine minderjährige Tochter mit von ihm unerwünschten Inhalten indoktriniert, fand er. Die Richter des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes (VHG) sahen seine Rechte allerdings nicht verletzt. Die Piktogramme sind "eine Botschaft der Sympathie" an homosexuelle Menschen und zugleich "eine Aufforderung an die Mehrheitsgesellschaft zu Toleranz gegenüber Menschen mit abweichender sexueller Orientierung", befand der VGH. Oberbürgermeister Dieter Reiter schließt sich an: "München ist weltoffen, vielfältig und tolerant" - und genau dafür stehen auch die Ampelpärchen.

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